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01.02.2026 | WHO-Guideline 2025: Prävention, Diagnostik und Behandlung der Infertilität

Die im November 2025 veröffentlichte erste globale WHO-Leitlinie zur Infertilität bietet einen umfassenden, evidenzbasierten Rahmen für Prävention, Diagnostik und Behandlung. Weltweit ist etwa jede sechste Person im reproduktiven Alter betroffen (Guideline for the prevention, diagnosis and treatment of infertility. https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/0b4b00be-9412-4d73-a3a9-1fb00874fdb6/content). Ziel der Leitlinie ist es, Versorgungslücken zu schließen und einen gerechteren Zugang zur Fertilitätsmedizin zu ermöglichen.

Prävention: Zentrale Empfehlungen betreffen die Aufklärung über die Fertilität, Lebensstilfaktoren und die Risikoreduktion (z.B. Rauchen, STI, Ernährung, körperliche Aktivität). Frühzeitige Information in Schulen und der Primärversorgung ist essenziell.

Diagnostik: Infertilität wird definiert als das Ausbleiben einer Schwangerschaft nach 12 Monaten mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Verhütung. Die Diagnostik umfasst die ovulatorische Funktion, die Uterus- und Tubenanatomie, hormonelle Marker sowie die Ejakulatanalyse beim Mann. Eine unerklärte Infertilität liegt nur vor, wenn alle Befunde unauffällig sind.

Behandlung: Die Leitlinie empfiehlt eine abgestufte Therapien abhängig von Ursache, Alter und Ressourcen. Bei ovulatorischen Störungen (z.B. PCOS) stehen Lebensstilintervention und die Ovulationsinduktion im Vordergrund. Bei tubaren Schäden oder schweren männlichen Faktoren wird häufig die IVF bzw. ICSI eingesetzt. Bei unerklärter Infertilität kommen abwartendes Verhalten, Inseminationen (IUI) oder eine IVF infrage.

Psychosoziale Aspekte: Die WHO betont die hohe emotionale Belastung, die Stigmatisierung und die Notwendigkeit einer psychosozialen Unterstützung als Bestandteil der Reproduktionsmedizin.

Systemische Empfehlungen: Die Leitlinie fordert einen fairen, bezahlbaren Zugang zur Fertilitätsbehandlung weltweit, eingebettet in öffentliche Gesundheitssysteme. Prävention, Basisdiagnostik und Beratung sollen gleichberechtigte Bestandteile sein.

Perspektiven: Themen wie Fertilitätserhalt, Donorverfahren und ethische Fragen bleiben teilweise unerledigt und benötigen weitere Leitlinien.

Die Leitlinie setzt einen globalen Standard für eine faire, evidenzbasierte und ganzheitliche Fertilitätsversorgung.

Prof. Dr. med. Christoph Dorn

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